Werden Frauen bei Investitionen benachteiligt?

Rosie the Riveter mit Frauenzeichen im Hintergrund
Frauen leben und arbeiten anders als Männer. Das heißt, sie nutzen in ihrem Alltag Infrastruktur anders als Männer und profitieren von anderen staatlichen Hilfen als Männer. Das muss der Staat bei Investitionen berücksichtigen. Wird das versäumt, können sich öffentliche Investitionen ungleich und ungerecht auf die Geschlechter auswirken.

Beim Gender Budgeting geht es deshalb darum, Investitionen geschlechtergerecht einzusetzen. Schließlich ist die Regierung gesetzlich verpflichtet, soziale und wirtschaftliche Hilfen gleichberechtigt zu verteilen. Damit das gelingt, müssen die unterschiedlichen Lebensrealitäten von Männern und Frauen bei allen Investitionen berücksichtigt werden.

Dabei werden gerade die einfachen Unterschiede im Alltag oft übersehen, zum Beispiel wenn es darum geht, wie wir von A nach B kommen. Studien weisen beispielsweise darauf hin, dass Frauen häufiger öffentliche Verkehrsmittel nutzen, Männer sich hingegen öfter in das (eigene) Auto setzen. Auch das ist bei geschlechtergerechten Investitionen und Verkehrsplanung zu beachten.

Arbeitswelt untercheidet sich für Frauen und Männern

Offensichtlicher ist, dass die Arbeitswelt sich für Frauen und Männer häufig unterscheidet. In Pflege, Kinderbetreuung und sozialen Diensten sind zum Beispiel überwiegend Frauen beschäftigt. So sind vier von fünf Erwerbstätigen in der Alten- und Krankenpflege Frauen. Das bedeutet: Wird hier in bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne investiert, profitieren davon vor allem Frauen. Die wiederum könnten die Staatskassen mit höheren Steuern und Sozialabgaben stärken und für ihre Rente selbst vorsorgen. Schließlich gilt es bei der Rente eine noch größere Lücke als beim Einkommen zu schließen: So erhielten Frauen in Ostdeutschland 2014 eine um 23 Prozent niedrigere Rente als Männer. Im Westen lag dieser sogenannte Gender Pension Gap sogar bei 42 Prozent.

Zitat von Elke Hannack (DGB-Vize) zum Internationalen Frauentag, drei Frauen-Fäuste, Frauenzeichen im Hintergrund

Corona: Hohes Infektionsrisiko in "Frauenberufen"

Doch auch die Gehaltslücke bleibt ein Problem in Deutschland: "Durchschnittlich 19 Prozent weniger Gehalt als Männer, vielfach prekär beschäftigt, ohnehin seltener in Führungspositionen und dann in der Krise auch noch öfter gefeuert als Männer – das ist die Realität für Frauen in Deutschland", erklärt DGB-Vize Elke Hannack. Zusätzlich wirken sich die negativen Folgen der Corona-Krise besonders auf Berufe aus, in denen mehrheitlich Frauen arbeiten, zeigt eine Veröffentlichung des Statistischen Bundesamts zum Frauentag. Die über Monate (teils) geschlossenen Krisenbranchen Gastgewerbe (65 Prozent) sowie Friseur- und Kosmetiksalons (87 Prozent) weisen zum Beispiel einen besonders hohen Frauenanteil aus.

Und auch hohe Infektionsrisiken und Dauerbelastung treffen häufig Sparten, in denen überwiegend Frauen arbeiten:

  • Einzelhandel: Frauenanteil 81 Prozent
  • Altenpflege: 84 Prozent
  • Erziehung und Sozialarbeit: 84 Prozent
  • Allgemeinbildende Schulen: 73 Prozent

Corona-Krise: "von Frauen bezahlt"

Gleichzeitig wirkt sich die Unterstützung durch die Politik auf die Geschlechter unterschiedlich aus. Der aktuelle Gleichstellungsreport des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung (WSI) warnt zum Beispiel, dass das Ehegattensplitting dazu führt, dass Frauen bei Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit geringere Sozialleistungen erhalten. Außerdem kündigen in der Krise Unternehmen besonders häufig den geringfügig Beschäftigten – den sogenannten Minijobber/innen. Das trifft Frauen besonders hart. Schließlich stellen sie laut DIW Berlin zwei Drittel der ausschließlich geringfügig Beschäftigten. Kein Wunder, dass ein Impuls im Zukunftsdialog meint: "Krise wird von Frauen bezahlt".

Mütter stärker von Corona belastet als Väter, besonders Alleinerziehende

Auch wegen der Pandemie geschlossene Schulen und Kitas belasten Mütter noch härter als Väter. Denn noch häufiger als vor der Pandemie sind sie hauptsächlich für Kinderbetreuung und Hausarbeit zuständig. Unabhängig davon, ob sie selbst berufstätig sind oder nicht. So ist es keine Überraschung, dass Ende Januar 54 Prozent der vom WSI befragten Frauen mit Kindern ihre Gesamtsituation als stark/äußerst belastend einstuften. Unter den Männern mit Kindern im Haushalt taten das 44 Prozent. Noch einmal zugespitzt empfinden viele Alleinerziehende ihre Lage: 62 Prozent fühlten sich stark oder äußerst stark belastet. Und welcher Elternteil ist vor allem alleinerziehend in Deutschland? Es sind zu rund 90 Prozent die Mütter.

DGB fordert mehr Gleichberechtigung

Um langfristig für mehr Gleichberechtigung zu sorgen fordert der Deutsche Gewerkschaftsbund eine

  • nachhaltige Gleichstellungsstrategie, mit der alle politischen Planungen, Vorhaben und Finanzentscheidungen daraufhin geprüft werden, ob und inwiefern sie die Gleichstellung von Männern und Frauen vorantreiben
  • massive Ausweitung von Investitionen in Infrastrukturen, die Geschlechtergerechtigkeit fördern
  • Aufwertung sozialer, personenbezogener und haushaltsnaher Dienstleistungsberufe.
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Hast du schon Diskriminierung aufgrund des Geschlechts erlebt oder beobachtet?

Kommentare

Warum findet man einen so wenig ausgewogenen Text auf einer Seite des DGB?
Warum treibt der DGB einen Keil in die Bevölkerung statt zu einen?
Kann man alles mit "Gendern" alles begründen?

Einige Gedanken:
Frauen sind nicht pauschal mit benachteiligten Müttern gleichzusetzen. Es gibt durchaus gut verdienende Frauen mit eigenen Autos, die nicht unbedingt benachteitligt sind, oder?
Männer sind nicht pauschal mit gutverdienenden Unterdrückern gleichzusetzen. Es gibt durchaus auch nicht so gut verdienende Männer. Es gibt auch alleinerziehende Männer, die ggf. ähnliche Belastungen spüren. Es gibt auch Frauen, die bewusst, gegen den Willen des Vaters, alleinerziehend sein wollen. Es gibt auch Männer die in den genannten Berufen arbeiten.
Die Überschrift hätte also auch sein können: "Werden Männer bei Investitionen benachteiligt?". Auch Männer benutzen (manchmal gerne) den öffentlichen Nahverkehr.
Was hat das mit geschlechtergerechten Investitionen und Verkehrsplanung zu tun? Besserer ÖPNV nur für Frauen?

Frauen leben und arbeiten anders als Männer. Ist das schlimm? Muss alles gleich sein? Ist das Ziel erst erreicht, wenn gleich viele Frauen und Männer Ingenieure, Pfleger, Soldaten, Frisöre, Vorstände, Müllmänner und -frauen usw. sind bzw. sein müssen? Wenn gleich viele Männer Häkel wie Frauen?

Statt den Geschlechterkampf anzuheizen, empfehle ich abzurüsten und einen Blick ins Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz zu werfen.
Dies erscheint mir erstrebenswert zu sein:
Zitat: "Ziel des Gesetzes ist, Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zuverhindern oder zu beseitigen."

Frauen pauschal als benachteiligt hinzustellen und benachteiligte Männer nicht zu erwähnen, wird beiden und dem Gesetz sicherlich nicht gerecht.

Es wäre schön, wenn sich der DGB sich mit den Beiträgen seiner Mitglieder daran orientierte statt zu spalten.

Mit welchem Recht hat Berlin den Weltfrauentag als Feiertag ?
Und der Rest von Deutschland nicht ?
Muß ich das verstehen ??????

Botschaft ist wohl, dass Frauen generell benachteiligt werden - von der Altenpflegering über Führungskräfte im mittleren Management bis zu Vorstandposten, Ministerpräsidentinnen, Kanzlerinnen, EU-Kommissions-, EZB-Präsidentinnen. Diese sollen vom DGB unterstützt werden.

Männer - auch in prekären Situationen - sind dagegen grundsätzlich bevorzugt und brauchen nicht unterstützt werden. Eine seltsame Interpretation von angestrebter Geschlechtergerechtigkeit.

Redaktionskommentar

Um Nachteile nachhaltig zu beseitigen, muss aber zunächst aufgezeigt werden, wo Ungleichheiten bestehen. Dafür berufen die DGB-Gewerkschaften sich auf Daten, Statistiken und wissenschaftliche Studien. Dieses Wissen um Geschlechterverhältnisse hilft dabei, Diskriminierungen, Ungleichheiten und Ausschlussmechanismen aufzudecken, zu verstehen und letztlich abzubauen. Um bei deinem Beispiel zu bleiben: Daten zeigen, dass eben insbesondere Frauen von einem besseren ÖPNV profitieren würden – eben weil sie statistisch gesehen öfter damit fahren. Das bedeutet aber nicht, dass Männer, die Bus oder Bahn fahren, davon nicht profitieren. Ein anderes Beispiel: Von besseren Arbeitsbedingungen in der Pflegebranche oder Kindertagesstätten würden vor allem Frauen profitieren, weil sie dort die Mehrheit der Beschäftigten stellen. Aber auch die Männer, die in diesen sogenannten frauendominierten Branchen tätig sind, kämen bessere Arbeitsbedingungen zugute.

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