Solidarität: Das verstehen die Menschen im Zukunftsdialog darunter

Hände fassen ineinander in der Mitte ein Herz: Solidarität
"Solidarität ist Zukunft" – so das Mai-Motto des DGB in diesem Jahr. Das nehmen wir zum Anlass, einen genaueren Blick auf die Einsendungen im DGB-Zukunftsdialog zu diesem Thema zu werfen. Über 5.000 Impulse haben die Teilnehmenden aus ganz Deutschland innerhalb von zwei Jahren in dem offenen Beteiligungsprojekt analog und digital eingereicht. Darin haben sie skizziert, wie sie sich eine gute Lebens- und Arbeitswelt in Zukunft vorstellen. Deutlich wurde: ohne Solidarität und gesellschaftlichen Zusammenhalt ist für die meisten eine gute Zukunft undenkbar.

Lasten auf mehr Schultern verteilen

Dabei gibt es unter den Einsendungen ein vielfältiges Verständnis darüber, was Solidarität ausmacht. Das Gros wünscht sich eine Gesellschaft, in der die Lasten und Kosten auf mehr Schultern verteilt werden als bisher, und in der mehr gegenseitige Akzeptanz und Unterstützung gelebt werden. Deutlich wird auch der Wunsch nach einem allgemeinen Umdenken von "Profitmaximierung" zu "Menschlichkeit" als oberste Maxime politischen Handelns. Neue Konzepte zur Vermögensverteilung, fairere Bezahlung und ein Ausbau sozialer Sicherung sind einige der Wege zu mehr Bedürfnisorientierung und Hilfsbereitschaft, die die Teilnehmenden in Beiträgen wie diesem vorschlagen:

"Ein ‚Wir‘ entsteht auch aus wertschätzender, gleicher Bezahlung und gleicher Arbeitszeit."
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Mit starkem Staat Kapitalismus beherrschen

Unter allen Einsendungen lassen sich bestimmte Bilder erkennen, in denen drei unterschiedliche Aspekte im Solidaritätsverständnis ein besonderes Gewicht bekommen. So betont eine Reihe von Impulsen etwa, dass wir Menschen für ein gutes Leben aufeinander angewiesen sind. Denn alleine sind wir verletzlich und nicht genügend vor den Aufs und Abs des Lebens geschützt. Die Zukunftsdialog-Teilnehmer/innen dieser Gruppe wünschen sich deshalb einen Staat, der stärker reguliert, um das Allgemeinwohl zu sichern. Nur so können aus ihrer Sicht rein kapitalistische Interessen beherrscht werden, die dem Menschen schaden, wie dieser Beitrag zum Beispiel für das Gesundheitssystem deutlich macht:

"Durch die Privatisierung des Gesundheitssystems steht meist nicht mehr der Patient im Fokus, sondern der Gewinn!"
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Globale Solidargemeinschaft muss Natur schützen

Ein weiteres Bild zeichnen allerhand Impulse, die die Nachhaltigkeit in den Vordergrund stellen. Für sie ist klar, dass unsere Lebensweise weltweite Folgen hat. Deshalb ist ihr Ziel eine internationale Solidargemeinschaft, die sich dem Schutz der Natur als menschliche Lebensgrundlage verpflichtet. Gemeinsam müssen Politik, Unternehmen und Zivilgesellschaft Arbeiten und Wirtschaften in eine nachhaltige und ressourcenschonende Weise lenken. Denn, so die Überzeugung in dieser Kategorie:

"#SolidarischNichtAlleine ist wichtig, mir fehlt aber noch der Part #FightEveryCrisis gegen die #Klimakrise, es gibt nichts Solidarischeres wie der Erhalt der Natürlichen Lebensgrundlagen!"
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Individuelle Verantwortung zu solidarischem Handeln vor Ort

Im Gegensatz zu diesem globalen Solidaritätsverständnis fokussiert sich eine dritte Gruppe von Teilnehmenden auf das engere Umfeld. In diesem Bild wird die Solidargemeinschaft im Kleinen als besonders wichtig angesehen. Ob in der Nachbarschaft oder im Betrieb: Als Individuen müssen wir unsere Eigenverantwortung am Wohn- oder Arbeitsort wahrnehmen und solidarisch handeln. In den Beiträgen dieser Gruppe besteht auch der Wunsch nach einem flankierenden Staat, der Rahmenbedingungen schafft, damit sich Bürger/innen besser einbringen und entfalten können:

"Jeder muss seinen Beitrag leisten, wie er persönlich kann. Viele Menschen sind aber finanziell nicht in der Lage, mehr zu tun. Es spricht sich sehr leicht, dass jeder Photovoltaik mit Batterie anschaffen soll. Nur das rechnet sich halt erst nach zig Jahren und dann ist die Batterie und der Umrichter wieder kaputt und es dauert noch länger bis es sich amortisiert hat. Daher sollte es neue Anreizprogramme dafür geben. Vor allem unbürokratisch und verlässlich."
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Mehr Solidarität in Pandemie gefordert

Diese drei unterschiedlichen Verständnisse von Solidarität, die man in den Einsendungen des Zukunftsdialogs erkennen kann, machen deutlich, wie vielfältig Solidarität verstanden werden kann. Die Solidargemeinschaft wird unterschiedlich weit gefasst: regional, national, europäisch oder global. Und es werden unterschiedliche Aspekte von Solidarität in den Vordergrund geschoben. Was aber auch bei der Analyse aller Impulse auffällt: Die Corona-Pandemie und die dadurch verursachte Krise scheinen den Wunsch nach gegenseitiger Unterstützung – ob im nationalen oder europäischen Kontext – verstärkt zu haben. Statt zur Tagesordnung der Vor-Krisenzeit zurückzukehren, wird ein Mehr an Solidarität gefordert. Eine Forderung, der sich der DGB und seine Gewerkschaften nicht nur am 1. Mai anschließen.

DGB-Livestream zum 1. Mai 2021 ab 14 Uhr hier, auf dgb.de, Facebook und YouTube: Alle Infos finden Sie hier.

 

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Kommentare

Solidarität ist ... ein Gesundheitssystem, dass sich den Bedürfnissen der Menschen anpasst und von den Menschen nicht fordert sich anzupassen.
in diesem Sinne ist Solidarität eine Investitionsoffensive und Rekommunalisierung der Krankenhäuser, damit Grundrechtseingriffe zurückgefahren werden können

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