Politik, Gewerkschaften und Betriebsrät/innen diskutieren zu Digitalisierung, Klimaschutz und Investitionen

Olaf Scholz spricht auf DGB-Konferenz zu Strukturwandel in Gelsenkirchen

Der Deutsche Gewerkschaftsbund in Nordrhein-Westfalen hat seinen Zukunftsdialog-Prozess gestartet: Stark im Wandel. In einer großen Konferenz in Gelsenkirchen wurden am 5. März bisherige Erfahrungen präsentiert und gemeinsam mit Fachleuten aus Politik, Gewerkschaften und anderen Bereichen über eine faire Gestaltung des Strukturwandels diskutiert. Mit dabei waren unter anderem DGB-NRW-Vorsitzende Anja Weber, DGB-Bundesvorstandsmitglied Stefan Körzell, Bundesfinanzminister Olaf Scholz, NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart sowie Vertreter/innen der nordrhein-westfälischen DGB-Gewerkschaften und Betriebsrät/innen.

"Veränderung braucht Solidarität"

Zum Start der Konferenz im Gelsenkirchener Wissenschaftspark machte Bundesfinanzminister Scholz klar: "Veränderung braucht Solidarität!". Dies ist auch eine Grundüberzeugung der Gewerkschaften, weshalb sie vor knapp einen Jahr den DGB-Zukunftsdialog gestartet haben. Mit dem breit angelegten Beteiligungsprojekt kommt der DGB vor Ort an den Wohnorten, in den Betrieben und online mit allen Interessierten zusammen, um darüber zu reden, wie wir in Zeiten großer Veränderung die Weichen so stellen, dass wir künftig in einer sozialen und gerechten Gesellschaft leben und arbeiten werden. Aus einem Teil der Impulse ergeben sich konkrete Ideen, die dann gemeinsam mit Partnern umgesetzt werden. Weitere Teile der Einreichungen fließen in politische Forderungen des Gewerkschaftsbunds.

Gegen eine Amazonisierung der deutschen Industrie

Der DGB-Landesbezirk in Nordrhein-Westfalen konzentriert sich mit Stark im Wandel auf den Strukturwandel, der NRW vor große Herausforderungen stellt. Der Leitspruch der Kampagne ist: Gewerkschaften gestalten die Zukunft. Sozial. Ökologisch. Fair. Was das konkret bedeutet, wurde in den Beiträgen der Podiumsteilnehmer/innen aus allen acht DGB-Gewerkschaften deutlich. Die Transformation ist in allen Branchen spürbar – und Gewerkschaften sind als Gestalter gefragt.  "Strukturwandel geht nur mit den Gewerkschaften und das heißt mit Guter Arbeit", so DGB-Vorstandsmitglied Körzell. "Wir sind froh, dass Tesla nach Deutschland kommt. Was es nicht geben darf ist eine Amazonisierung des Automobilbaus und der Industrie." 

Hier herrschte Einigkeit unter den Teilnehmenden: Mitbestimmung durch Gewerkschaften und Betriebsräte sind gefragt wie jeher, wenn die Transformation fair und sozial gestaltet werden soll. Dass die nordrhein-westfälischen Gewerkschaften hier schon auf einem guten Weg sind, kannte auch der liberale nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister Pinkwart an.

Die Konferenz setzte nicht nur auf frontalen Input: In drei sogenannten Fishbowl-Runden blieb in der Fachrunde auf der Bühne jeweils ein Platz für Teilnehmende aus dem Publikum frei. Diese konnten dann ihre Fragen und Impulse direkt in die Runde einbringen. Die Themen der Fishbowls deckten zentrale Bereiche des Strukturwandels ab:

  • Energie, Industrie und Klimaschutz mit Heiko Reese (Leiter des IG Metall-Stahlbüros), Frank Löllgen (Landesbezirksleiter IG BCE Nordrhein), Mohamed Boudih (Landesbezirksvorsitzender NGG NRW), Prof. Dr. Stefan Lechtenböhmer (Wuppertal Institut, Abteilungsleiter Zukünftige Energie- und Industriesysteme), Anke Strüber-Hummelt (Betriebsratsvorsitzende Evonik Industries, Gemeinschaftsbetrieb Marl)
  • Bildung und Qualifizierung in Zeiten der Digitalisierung mit Frank Bethke (Stellvertretender Landesbezirksleiter ver.di NRW), Maike Finnern (Landesvorsitzende GEW NRW), Anja Weber (Vorsitzende DGB NRW), Torsten Withake (Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Nordrhein-Westfalen der Bundesagentur für Arbeit), Dr. Urs Peter Ruf (Leiter TBS NRW)
  • Öffentliche Investitionen für den Wandel mit Antonia Kühn (Regionalleiterin IG BAU Rheinland), Patrick Schlüter (Mitglied des geschäftsführenden Landesbezirksvorstands der GdP NRW), Christian Drelmann (Geschäftsstellenleiter EVG Hamm), Prof. Dr. Sebastian Dullien (Wissenschaftlicher Direktor, Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung), Karin Welge (Stadtdirektorin und Beigeordnete für Finanzen, Personal und Organisation und Feuerwehr der Stadt Gelsenkirchen)

Entschuldung der Kommunen drängt

Deutlich wurde auf der Veranstaltung immer wieder: Den Kommunen kommt bei der Gestaltung des Strukturwandels eine zentrale Rolle zu. "Kommunen sind die Keimzellen der Demokratie", so Körzell. Wenn Bürger/innen hier nur noch Verfall erlebten, sei das ein Problem. Mitten im Ruhrgebiet war allen Anwesenden klar, dass eine Lösung für die Entschuldung der Kommunen drängt, damit sie ihre Aufgaben wahrnehmen können.

Anpackend optimistisch war das Schlusswort der DGB-Landesvorsitzenden Weber: "Die Herausforderungen sind so groß, dass wir auch mal größer und anders denken müssen." Genau das machen der DGB und seine Gewerkschaften mit Prozessen wie dem Zukunftsdialog und Stark im Wandel – und sie laden alle ein, daran teilzunehmen und ihre Ideen einzureichen. Also machen Sie jetzt mit: Senden Sie uns hier auf der Dialogplattform Ihre Impulse oder kommen Sie zu einer unserer Veranstaltungen in ganz Deutschland.

Aufzeichung anschauen:

>> Schauen Sie sich die Aufzeichnung des ersten Teils der Veranstaltung an

>> Schauen Sie sich die Aufzeichnung des zweiten Teils der Veranstaltung an

>> Diskutieren Sie mit im Zukunftsdialog, wie wir die Weichen für eine gute Zukunft für alle stellen

>> Broschüre des DGB NRW herunterladen: "Gewerkschaften gestalten die Zukunft. Sozial. Ökologisch. Fair"

 

Foto: DGB NRW