Lieferkettengesetz: Menschenrechte wahren

Ob Pulli oder T-Shirt: Ein Lieferkettengesetz könnte dafür sorgen, dass weder Menschen noch Umwelt bei der Produktion ausgebeutet werden

Stellen Sie sich vor: Sie gehen in einen Laden und wissen, dass für kein Produkt Menschen oder Umwelt ausgebeutet worden sind  – egal ob Sie ein Handy, Schokolade oder Wimperntusche kaufen. Wäre das nicht erstrebenswert? Schreiben Sie uns Ihre Meinung.

Initiative Lieferkettengesetz

Ein wichtiger Schritt in diese Richtung könnte das Lieferkettengesetz sein, das demnächst im Bundeskabinett diskutiert werden soll. Würde das Gesetz in seiner aktuellen Fassung verabschiedet, wären Unternehmen dazu verpflichtet, in ihrer gesamten Lieferkette auf Menschenrechte und Umweltstandards zu achten.

Die Initiative Lieferkettengesetz  – in der auch der DGB Mitglied ist – hat 222.222 Unterschriften gesammelt. An diesem Mittwoch (9. September) wird die Initiative die Unterschriften mit einer Aktion vor dem Bundeskanzleramt symbolisch an Bundeskanzlerin Angela Merkel übergeben.

Tote bei Brand einer Textilfabrik

Immer wieder berichten Medien von Menschenrechtsverletzungen in Lieferketten deutscher Unternehmen: 2012 sorgte zum Beispiel der Brand in einer Textilfabrik in Pakistan für Negativ-Schlagzeilen. 258 Menschen starben. Das Textilunternehmen KiK produzierte dort und musste sich nicht verantworten. Durch ein Lieferkettengesetz könnte sich das in Zukunft ändern. Dann wäre es Betroffene aus dem Ausland möglich, auch vor deutschen Gerichten zu klagen.

Verbraucher, Unternehmen oder Politik: Wer trägt Verantwortung?

Die Frage ist: Wer trägt die Verantwortung? Einerseits wird an die Verbraucherinnen und Verbraucher appelliert, dass diese selbst entscheiden, wo sie einkaufen und was sie kaufen. Doch fair gehandelte Produkte sind meistens teuer, und wer kann schon wirklich prüfen, woher die Produkte und ihre Einzelteile kommen?

Viele deutsche Unternehmen weisen die Verantwortung von sich – es sei zu aufwändig, die gesamten Lieferketten nachzuvollziehen. Außerdem sei die Einhaltung von Menschenrechten und Umwelt Aufgabe der Politik, nicht der Wirtschaft. Andere Unternehmen äußern sich dagegen positiv zu einem Lieferkettengesetz. Denn sie erkennen, dass freiwillige Absichtserklärungen nicht ausreichen und pochen auf gleiche Bedingungen für alle.

Außerdem stellt sich die noch größere Frage, ob wir als Gesellschaft akzeptieren wollen, dass schlechte Arbeitsbedingungen und Umweltschäden mit der Produktion unserer Konsumgüter und Lebensmittel einhergehen? Wäre es da nicht einfacher, eine klare gesetzliche Regelung zu beschließen? >> Was ist Ihre Meinung? Diskutieren Sie jetzt mit beim Zukunftsdialog!

Text: Robin Senpinar