Homeoffice: Eine Chance für den ländlichen Raum?

Frau im Homeoffice auf dem Land

Die Corona-Krise hat vieles verändert. Unter anderem auch, wie und wo wir arbeiten. Seit der Krise haben immer mehr Arbeitnehmer/innen die Möglichkeit, im Homeoffice ihrem Job nachzugehen. Bundesarbeitsminister Heil hat aktuell erste Eckpunkte seines geplanten Gesetzes zu mobilem Arbeiten genannt. Beschäftigte sollen einen gesetzlichen Anspruch von mindestens 24 Tagen pro Jahr für mobile Arbeit bekommen. 

"Es ist gut, dass Bundesminister Hubertus Heil jetzt Nägel mit Köpfen macht, um selbstbestimmtes mobiles Arbeiten zu fördern und gleichzeitig den Schutz der Beschäftigten zu verbessern", sagte der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann zu Heils Initiative. Der Rechtsanspruch auf 24 Tage sei jedoch zu wenig. Gut seien hingegen die geplanten Gestaltungsoptionen für Tarifvertragsparteien und Betriebsräte.

Fast die Hälfte arbeitete in der Krise zu Hause

Laut einer Umfrage der Bitkom im März dieses Jahres konnten fast die Hälfte aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von zu Hause aus arbeiten. 18 Prozent der Beschäftigten hatten diese Möglichkeit vor der Krise nicht. Viele begrüßen diese Möglichkeit, sehen aber auch Probleme, wie Frank Furter, ein Teilnehmer am Zukunftsdialog:

"100% Home Office heißt in der Probezeit nämlich schnell 120% Arbeit."
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Viele wollen auf dem Land leben

Der wachsende Anteil von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern im Homeoffice kann aber auch eine Chance für den ländlichen Raum sein. Denn wer nicht mehr abhängig ist von seinem festen Arbeitsplatz, ist unabhängiger bei der Wahl des Wohnortes. Zwar leben in Deutschland 77 Prozent der Bevölkerung in Städten und ihren Ballungsräumen, aber ein großer Teil würde sich ein Leben auf dem Land wünschen – 44 Prozent laut einer repräsentativen Umfrage des ZDF. Trotzdem ist der Bevölkerungsanteil auf dem Land auf dem niedrigsten Stand seit 1871. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des ifo-Instituts. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hat es die Menschen aufgrund von Hunger und Zerstörung aufs Land getrieben. Seit dem Wirtschaftswunder und dem Wiederaufbau zieht es die Menschen ungebremst in die Städte. Sie leben dort, wo sie arbeiten können.

Schlechtere öffentliche Versorgung auf dem Land

Das könnte sich durch die Möglichkeit des Homeoffice ändern. Doch ob es die Landflucht behebt, hängt nicht nur davon ab. Denn der Bevölkerungszuzug in die Städte hat dazu geführt, dass es immer schwieriger wird, auf dem Land die Versorgung mit öffentlichen Leistungen wie Gesundheit, Pflege und Verkehrsinfrastruktur sicherzustellen. Die Infrastruktur bröckelt. Auch der Zugang zu schnellem und sicherem Internet ist essenziell, um gut im ländlichen Raum arbeiten zu können.

Ländlichen Raum stärken

Auch beim Zukunftsdialog wird über die Situation der ländlichen Regionen Deutschlands diskutiert.

Ein/e Teilnehmer/in aus Stuttgart fordert:

"Bessere Verkehrsanbindung an ländlichen Wohnraum."
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In einem Beitrag aus der Region Dresden-Oberes Elbtal wird aber auch auf die Chancen, die der ländliche Raum bietet, aufmerksam gemacht:

"Nachbarschaft, große Wohnungen, bezahlbare Mieten"
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Was denken Sie? Macht Homeoffice das Leben auf dem Land attraktiver? Was braucht es für ein lebenswertes Leben außerhalb der Städte? Diskutieren Sie mit.

Text: Robin Senpinar

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