Gleichstellung zwischen Mann und Frau: Der Osten ist weiter

Frau stemmt Hände in die Hüften

In Deutschland verdienen Männer mehr als Frauen. Doch in 23 von insgesamt 401 Kreisen und kreisfreien Städten ist es umgekehrt – dort verdienen Frauen mehr. Was auffällt: Sie liegen allesamt in Ostdeutschland. Der Osten ist bis heute beim Thema Gleichstellung besser als der Westen aufgestellt. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung. Sie zeigt, dass der Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen in Ostdeutschland durchweg geringer ist als in den sogenannten alten Bundesländern.

Immer mehr Frauen im Westen gehen arbeiten

Laut Studie liegt ein Grund darin, dass es in der ehemaligen DDR für Frauen traditionell einfacher war, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Wer arbeiten ging, konnte die Kinder in Krippen und Kitas unterbringen. Vollzeitarbeit war so auch für Mütter einfacher möglich.

Der Westen zog nach der Wiedervereinigung nach – zumindest was die Zahl der erwerbstätigen Frauen angeht. Waren es Anfang 1990 nur die Hälfte aller Frauen, die in Westdeutschland berufstätig waren, sind es heute knapp 72 Prozent. In Ostdeutschland sind es zwei Prozent mehr. Laut des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) arbeiten im Westen 38 Prozent der Frauen in Teilzeit. Im Osten ist der Anteil geringer: dort sind es nur 27 Prozent der Frauen, die in Teilzeit arbeiten.

Gender Pay Gap im Osten geringer

Insgesamt ist der Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen im Osten wesentlich geringer. Der sogenannte Gender Pay Gap liegt in Ostdeutschland bei sieben Prozent. Im Westen liegt der Lohnunterschied bei ganzen 21 Prozent.

Laut Berlin-Institut ist vor allem in Süddeutschland das monatliche Median-Einkommen von vollzeitbeschäftigten Männern 1000 Euro höher als das der Frauen. Unter dem Median-Einkommen versteht man das Einkommen, bei dem es genauso viele Menschen mit einem höheren wie mit einem niedrigeren Einkommen gibt. Es wird auch als Mittleres Einkommen bezeichnet. Nur in Ostdeutschland gibt es Städte und Kreise, in denen Frauen mehr verdienen. Der Gehaltsunterschied ist hier aber wesentlich geringer als in Süddeutschland: In Frankfurt/Oder, wo er am höchsten ist, beträgt er 388 Euro. Ein identisches Mittleres Einkommen erzielen Frauen und Männer in einem einzigen Landkreis: Oberspreewald-Lausitz in Brandenburg.

Der große Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen in Süddeutschland hänge unter anderem damit zusammen, dass Frauen öfter in Teilzeit arbeiten, länger ihren Job unterbrechen, schlechter bezahlte Berufe wählen und seltener in Führungspositionen stehen, so die Studienautor/innen.

Lohnunterschied zwischen Mann und Frau beenden: Tarifverträge helfen

Wie kann in Zukunft die Gleichstellung von Mann und Frau in Deutschland vorangetrieben werden? Auch beim Zukunftsdialog ist das Thema. So wird auf einer Einsendung, die uns aus Hattingen (NRW) erreicht hat, gefordert:

"Gleiches Entgelt für gleiche Tätigkeit einfordern/durchsetzen"
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Ein Mittel, um dieses Ziel zu erreichen, sind – neben weiteren notwendigen Schritten – Tarifverträge. So ist die Entgeltlücke um ganze 10 Prozentpunkte kleiner, wenn Tarifverträge gelten. Sie heben gerade am unteren Ende der Lohnverteilung das Einkommen und helfen, das geschlechtsspezifische Lohngefälle zu verringern. Unter dem Schutz von Flächentarifverträgen schmolz die Entgeltlücke zwischen 2000 und 2010 um sechs Prozentpunkte, während sich ohne Tarifbindung kaum etwas bewegte.

Was ist Ihre Idee, um den Gender Pay Gap weiter zu verringern? Schreiben Sie uns im Zukunftsdialog von Ihren Erfahrungen und Vorschlägen.

Text: Robin Senpinar

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