Fleischindustrie: "Da brennt gerade richtig die Luft"

Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie

Anja Piel ist Vorstandmitglied beim DGB und diskutierte mit Kathrin Biegner vom Zukunftsdialog-Team und Interessierten in einem Live-Talk zur "Schattenwelt der Fleischindustrie" Mit über 1.300 bestätigten Corona-Fällen und rund 7.000 MitarbeiterInnen in Quarantäne führt besonders Tönnies derzeit die Schlagzeilen an. Doch auch in weiteren Betrieben treten jetzt Corona-Fälle auf und befördern die schlimmen Arbeits- und Lebensbedingungen dahinter zu Tage. 

Skandalöse Arbeitsbedingungen

In der Fleischindustrie "lassen sie ihre Mitarbeiter volles Risiko fahren", so Anja Piel. Volle Transportmittel, überfüllte Unterkünfte ohne die Möglichkeit zu Abstand, Enge bei der gemeinsamen Arbeit. "Das ist hoch skandalös unter solchen Umständen zu arbeiten", so Piel und ergänzt, dass dies in Zeiten der Corona-Pandemie "richtig lebensgefährlich" sei. 
Die Ausbeutungswirtschaft rund ums Fleisch muss ein Ende haben, so Piel. Das aktuell aus dem Bundesarbeitsministerium vorgelegte Eckpunktepapier sei hier ein guter Ansatz: keine Werkverträge mehr, mehr Kontrollen, bessere Wohnsituation. Höhere Preise für Fleisch alleine ändern das System nicht, so Piel. 

Chance, die Ausbeutung zu beenden

Die Problematik ist endlich breit in der Öffentlichkeit und jetzt gibt es die Chance, die Ausbeutung zu beenden, so Anja Piel. Das Problem in den Unternehmen sei die lange Ausbeutungskette dort – immer mehr Tätigkeiten sind an Subunternehmen ausgelagert. "Keiner ist verantwortlich, keiner übernimmt Verantwortung", kritisiert Piel das System. Und die Beschäftigten mit Werkvertrag können keine Rechte geltend machen, haben keinen Zugang zu Betriebsräten. Ein Beteiligter meldete sich im Live-Talk und berichtete, dass er die ArbeitnehmerInnen in Quarantäne besucht hatte und diese stark verunsichert sind. Eine Zuschauerin bestätigte den Handlungsdruck, es sei doch schon "fünf vor zwölf". 

Ein Interessierter fragte, was der DGB jetzt mache. Anja Piel antwortete, dass der DGB seit langem politisch tätig sei und die Problematiken auch immer wieder in die Öffentlichkeit bringt. Außerdem setzt sich der DGB mit dem Projekt "Faire Mobilität" schon seit Jahren für die ArbeitnehmerInnen in der Fleischindustrie und für ErntehelferInnen ein. Gemeinsam mit den Gewerkschaften NGG und IG BAU berät das Projekt vor Ort. 

>> Weiterlesen: Faktencheck: Werkverträge und Leiharbeit in der Fleischindustrie

Der Talk kann hier online angeschaut werden: